Transhumanismus: Was kommt da auf uns zu?
Susanne Hartfiel
Vieles, was in diesem Buch steht, ist aufmerksamen Beobachtern der gesellschaftlichen Entwicklung bekannt: Identitätslosigkeit, Promiskuität, Trennung von Sexualität und Fortpflanzung, Nutzung aller Möglichkeiten, um perfekte Kinder herzustellen und unerwünschte Kinder zu beseitigen. Die Sozialwissenschaftlerin Susanne Hartfiel stellt diese und weitere Phänomene – und das macht das Buch außergewöhnlich – in einen größeren Zusammenhang. Ihre Grundannahme: Von der Achtung der eigenen Natur – der Gottzentriertheit – wendet sich das Streben der Menschheit zur eigenen Neuerfindung – der Menschenzentriertheit. Der Mensch sieht sich nicht als Geschöpf, sondern als Zufallsprodukt der Evolution, das sich selbst evolutionistisch weiterentwickelt und über sich hinauswachsen will. Der „Transhumanismus“ will das Menschliche überwinden: Grenzen, Alter, Leid. „Enhancement“ ist die Zukunft – die stetige Verbesserung des Menschen, wozu man eigentlich nur seine Biomasse, die Summe seiner Daten benötigt. Hierfür ist die Loslösung von übergeordneten Werten oder Instanzen, von Verantwortung als Bestandteil der Freiheit und von jeder sozialen Ordnung notwendig. Sowie die Loslösung von menschlichen Charakteristika wie Geschlecht, Gebärfähigkeit und „unkontrollierte“ Zeugung. Schlüssig weist Hartfiel Widersprüche und bereits feststellbare wie mögliche Folgen auf. Die Lektüre des – nicht ganz ordentlich lektorierten – Buches setzt Fragmente zu einem möglichen großen, erschreckenden Ganzen zusammen. Das Werk besitzt ein sehr gutes Literaturverzeichnis für die weitere Recherche.
Alexandra Maria Linder, Vorsitzende des Bundesverbands Lebensrecht (BVL)